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6. März 2023 | Eliane Schmocker und Michaela Sciuk, RADIX Schweizerische Gesundheitsstiftung

06 Bewegter Unterricht

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6.3 Bewegte Sequenzen

Unterrichtssequenzen stehen im Zentrum der Unterrichtsgestaltung. Nebst den beiden Grundformen – den geführten und offenen Sequenzen – gibt es auch Mischformen.

Die Spiel- und Lerninhalte von geführten Sequenzen sind mehrheitlich themengebunden. In den offenen Sequenzen überwiegt eigenverantwortliches und oftmals auch beiläufiges Lernen. Die Spiel- und Lerninhalte können themengebunden oder -ungebunden sein. Die Steuerung durch die Lehrperson erfolgt indirekt, d. h. durch ausgewählte vorhandene Materialien und durch ausgewählte Angebote.

Bewegung soll grundsätzlich in allen Sequenzen mitgedacht und eingeplant werden. Tipps- und Tricks sowie Reflexionsfragen helfen, Bewegung in den Sequenzen mitzudenken. Nicht zu vergessen ist, dass Kinder neben der Aktivität (Anspannung und Bewegung) auch immer die Entspannung (Ruhe und Rückzug) brauchen, damit sich Körper, Geist und Seele regenerieren können.

Leit- und Reflexionsfragen

  • Ermöglichen die Raumgestaltung und das Mobiliar Bewegung und Rückzugsorte. in geführten und freien Sequenzen?
  • Sind im Kindergarten/Schulzimmer ein oder mehrere Bewegungsspielort(e) eingerichtet?
  • Wenn nein, was könnte verändert werden, damit Bewegung in geführten und offenen Sequenzen möglich wird?

6.3.1 Garderobe/Auffangzeit

Klare Regeln und ritualisierte Bewegungsspiele ermöglichen auch Bewegung in der Garderobe und während Auffangzeiten.

  • Den Weg von der Schulhaustür zur Garderobe für Bewegung nutzen. Treppen z.B. mit Zahlen versehen.
  • Den Weg von Garderobe in die Räumlichkeiten für Bewegung nutzen.
  • Garderobe als zusätzlicher Raum für Bewegung im Alltag. Achtung Sicherheit: z.B. Kleiderhaken mit Tennisbällen abdecken, Glastüren, feuerpolizeiliche Richtlinien etc.
  • Auffangzeit als bewegten Start in den Tag nutzen, z.B. mit Materialerfahrung, Kisten mit kleinen Bewegungsaufträgen, vorbereiteten Bewegungslandschaften.
  • Ideen: Leiterlispiel die Treppe hoch. Jedes Kind hat einen Würfel. Gewürfelte Zahl gibt an, wie viele Tritte ein Kind hoch gehen/hüpfen darf. Auf markierten Treppenstufen gibt es Zusatzaufgaben zu lösen. Am Anfang der Treppe, des Gangs eine Karte ziehen, die angibt, wie (z.B. einbeinig hüpfend, rückwärts, seitwärts) sich das Kind zur Garderobe bewegt.
  • Kisten mit Gummitwist, Bewegungskarten, Bewegungswürfel etc.

6.3.2 Geführte Aktivitäten

Mit Blick auf die Aufmerksamkeitsspanne und auf eine hohe aktive Lernzeit der Kinder sollte die Lehrperson die angeleiteten Inputs möglichst kurz und prägnant machen. Der Inhalt im angeleiteten Input konzentriert sich auf die wichtigsten Informationen und ist klar strukturiert. Wenn es gelingt, «Lernen durch Bewegung» anzubieten, lernen Kinder, den Inhalt über ihre Bewegungs- und Körpererfahrung zu verstehen. Auch selbstgewählte Arbeitshaltungen tragen dazu bei, dass sie aufmerksamer und länger bei der Sache sind. Wichtig sind hier klar verständliche Regeln, denn nicht jede selbstgewählte Arbeitshaltung ist in geführten Aktivitäten sinnvoll.

6.3.3 Sammel- und Kreisspiele

Sammel- und Kreisspiele gehören zu den geführten Aktivitäten, wenn sie von der Lehrperson angeleitet werden. Eine weitere Variante ist, dass ein Kind oder zwei Kinder als Kreisspiel-Leiter:innen für die Auswahl und die Anleitung der Spiele verantwortlich sind.

Sammel- und Kreisspiele bieten ein grosses Potenzial für häufige und vielseitige Bewegung. Idealerweise werden sie so ausgewählt oder verändert, dass möglichst viele Kinder in Bewegung sind und daran teilhaben können.

Leit- und Reflexionsfragen

  • Können alle Kinder in kurzer Zeit aktiv sein (motorisch, kognitiv, verbal)?
    Wenn nein …
    • Aus welchen Gründen sind nicht alle Kinder in kurzer Zeit aktiv? Tipps dazu: z.B. Ziele des Spiels sind Selbstregulation und Frustrationstoleranz.
    • Gibt es ein anderes Spiel, bei dem in kurzer Zeit alle Kinder aktiv sind und das gewünschte Ziel dennoch erreicht wird?
    • Mit welchen Anpassungen lässt sich das Spiel für alle Kinder aktiver umsetzen?
      Tipps dazu: z.B. mehr Material zur Verfügung stellen, alle Kinder dürfen raten, die Rate-Wartezeit mit Bewegung ergänzen (z.B. alle Kinder stampfen, während sich der Teller dreht) etc.
  • Kann das Spiel noch aktiver gestaltet werden? Wenn ja, wie?

6.3.4 Freies Spiel

Beim freien Spielen fordern die Kinder ihre emotionalen, sozialen und kognitiven Fähigkeiten heraus. Sie lernen spielerisch. Ihre Aktivitäten wählen sie selbst aus und entscheiden auch laufend, ob sie allein oder zusammen mit anderen spielen möchten und was sie wo und wie lange machen wollen. In der Regel stehen im Freispiel für die Kinder parallel verschiedene Spielangebote bereit. Diese Spielangebote sind mit dem Ziel der Ausgewogenheit bezüglich Spielinhalte, Spielmaterial, Spiel- und Sozialform angelegt. Idealerweise sind sie so zusammengestellt, dass die Kinder die Möglichkeit erhalten, aktuelle Themen zu vertiefen oder thematisch ungebundene Spielangebote zu wählen.

Damit Kinder ihren Bewegungsdrang ausleben können, empfiehlt es sich, dass mindestens ein Spielangebot mit Bewegung verknüpft ist, sei es das Spielen in der Bewegungsecke oder auch draussen. Idealerweise können die Kinder dort Bewegungslandschaften bauen und ihrer Kreativität freien Lauf lassen.

Durch eine gute Raumgestaltung, frei zugängliche Bewegungsmaterialien und die Nutzung von Bewegungslandschaften wird oft auch das gesamte Freispiel bewegter. Die Kinder bauen Bewegungselemente in das Rollenspiel ein und spielen grossräumiger.

Leit- und Reflexionsfragen

  • Welche Bewegungsangebote für das Freispiel sind im Innen- und Aussenbereich vorhanden?
  • Wie unterstützt du die individuellen Bewegungsbedürfnisse der Kinder im Freispiel?
  • Können die Kinder das Bewegungsmaterial selbstständig hervornehmen und versorgen?
  • Können sich die Kinder auch zurückziehen und entspannen?
  • Braucht es neue Regeln für das freie Spiel oder Anpassungen beim Spielangebot?

6.3.5 Znüni

Das Znüni ist für Kinder eine wichtige Zwischenmahlzeit, die die notwendige Energie für die kommende Unterrichtszeit liefert. Damit Kinder ihr Znüni geniessen können, soll die Znünipause nicht gleichbedeutend mit der Pause sein.